Karneval

Die ganze Welt im Abendkleid,
herausgeputzt und grell.
Das Dolce vita macht sich breit
und Lüste keimen schnell.

Küsse, die wie Feuer sind,
nur für den Augenblick bestimmt.
Die Nacht wird unbescheiden
und die Moral ist blind.

.© Gerti Kurth

Augen-Blicke

Ein ganzes Leben
verpackt
in einem Koffer.

Das Kind an der Hand
sucht sie die Lücke,
eine Lücke 
zur Menschlichkeit.

Nicht willkommen
in einem Land,
wo Freiheit
 kein Fremdwort ist.

Augen, deren Blicke
ins Herz gehen
und doch keine Türe öffnen.

Fremd sieht sie aus
in ihren Tüchern,
dem Mantel der Heimat.

Ihr ganzes Leben 
in einem Koffer
und das Kind an der Hand,
das sie nicht loslässt.

.© Gerti Kurth




Schnee

Der Tag erwacht
im Winterkleid,
unschuldig weiß
hält er's bereit.
Der Mensch sieht es
vom Glück beseelt,
bemerkt nicht, dass
so manches fehlt.
Der Schnee verdeckt
das Leid, den Gram,
was früher mal zutage kam.

Doch wenn die  kalte Schönheit weicht,
im nassen Grau das Tal erreicht,
dann denk in dieser
tristen Zeit,
der Frühling hält sich
schon bereit.
Für ihn ist Schmelz aus
Eis und Schnee
 ein Labsal für den
frischen Klee.

.© Gerti Kurth


Inventur

Das vergangene Jahr
zusammen gefaltet,
und säuberlich neben die andern gelegt.

Die Träume sortiert
und auf Halde verladen,
die welken Herbstblätter weggefegt.

Den Zaun übersprungen,
die Seele entrümpelt.
Den Wecker auf Neuzeit umgestellt.

Den heutigen Tag
mit Hochglanz versehen,
damit das JETZT eine Chance erhält.

 
© Gerti Kurth


Advent Advent

Advent, Advent
ein Lichtlein brennt....,

doch nein, es brennen vehement
wohl tausend Lichter unverbrämt
an bunten Warenhäusern.

Girlanden leuchtend über Straßen
lassen das kleine Licht verblassen.
Es herrscht die Hektik in der Stadt,
wo jeder nur Gedanken hat,
nicht irgendetwas zu verpassen.

Derweilen still das Kerzlein brennt
das doch so gern Beachtung fänd,
dann aber auslöscht mittendrin.
Advent.....wer kennt noch deinen Sinn?

Gerti Kurth



Es gibt Tage.....

Es gibt Tage,
da willst du die Stunden
umdrehn,
das Erlebte von gestern
begreifen.
Deine Augen sind müde
du kannst nicht verstehn,
willst die traurige Haut
dir abstreifen.

Es gibt Tage,
da willst du den Horizont
lieben,
diese Stunden sind für
dich allein.
Du lässt deine Seele
himmelwärts fliegen,
willst dem Verlorenen
nahe sein.

© Gerti Kurth
11.11.2007
11.11.2016

Wortlos

Sonnenfinsternis
umfängt mich,
weil deine Worte
ausbleiben.
Langsam
welken die Gedanken.

Die Baumalleen
entblättern
jedes Wort.
Der Wind verweht
die abgelegte
Farbigkeit.

Was bleibt,
ist Schweigen.

© Gerti Kurth